An(ge)dacht

 

Paul Häberlein

Liebe Leserin, lieber Leser,

keiner von uns weiß heute, wie wir 2020 Weihnachten feiern werden oder feiern können. Aber vielleicht liegt darin gerade auch die einmalige Gelegenheit, sich endlich wieder einmal ganz entschleunigt auf das Wesentliche zu besinnen. So wie es eine schöne Geschichte, die Sie ja vielleicht schon kennen, erzählt:

Die Tiere diskutierten einmal über Weihnachten. Sie stritten, was wohl die Hauptsache an Weihnachten sei. „Na klar, Gänsebraten!“ sagte der Fuchs. „Was wäre Weihnachten ohne Gänsebraten?“

„Schnee!“ sagte der Eisbär „viel Schnee!“ Und er schwärmte verzückt: „Weiße Weihnachten!“ Das Reh sagte: „Ich brauche aber einen Tan- nenbaum, sonst kann ich nicht Weihnachten feiern!“

„Aber nicht so viele Kerzen!“ heulte die Eule. „Schön schummrig und gemütlich muss es sein. Stimmung ist die Hauptsache!“

„Aber mein neues Kleid muss man sehen!“ sagte der Pfau. „Wenn ich kein neues Kleid kriege, ist für mich nicht Weihnachten.“

„Und Schmuck!“ krächzte die Elster. „Jedes Weihnachtsfest kriege ich was, einen Ring, ein Armband, eine Brosche oder eine Kette, das ist für mich das Allerschönste an Weihnachten!“

„Na, aber bitte den Stollen nicht vergessen!“ brummte der Bär. „Das ist doch die Hauptsache! Wenn es den nicht gibt und all die süßen Sachen, dann verzicht ich auf Weihnachten!“

„Mach’s wie ich“ sagte der Dachs „pennen, pennen, das ist das Wahre. Weihnachten heißt für mich: mal richtig ausschlafen!“

„Und saufen“ ergänzte der Ochse „mal richtig einen antrinken und dann schlafen!“ – Aber dann schrie er „Aua!“, denn der Esel hatte ihm einen gewaltigen Tritt versetzt: „Du Ochse, denkst du denn nicht an das Kind?“

Da senkte der Ochse beschämt den Kopf und sagte: „Das Kind, ja , das Kind, das ist doch die Hauptsache!“ „Übrigens“ fragte er dann den Esel: „Wissen das die Menschen eigentlich noch?“

Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Adventszeit, ein frohes Weihnachtsfest und Gottes Schutz und Segen für das Jahr 2021 - denn das ist doch die Hauptsache.

Ihr Pfarrer Paul Häberlein