An(ge)dacht

 

Paul Häberlein

Liebe Leserin, lieber Leser,

Es ist Krieg in Europa. Unvorstellbare Bilder erreichen uns nun Tag für Tag. Städte liegen in Schutt und Asche. Frauen und Kinder verlassen ihre Heimat und suchen Zuflucht und Sicherheit auch bei uns. 

Bilder, die die Älteren von uns noch kennen. Erinnerungen werden wach. Die Schrecken von Damals sind wieder da. Die Erinnerungen an die Flucht und Vertreibung am Ende des 2. Weltkrieges haben sich tief eingebrannt. Die Bilder der zerstörten Städte Kitzingen und Würzburg nach den großen Luftangriffen des Jahres 1945. 

Auf offener Weltbühne wird Tag für Tag demonstriert, wozu der Mensch fähig ist. Mein Großvater, der zwei Weltkriege miterleben musste, hat immer gesagt: „Krieg ist Krieg. Da gibt es keine Regeln, kein Erbarmen, keine Menschlichkeit. Merk dir das: Krieg ist Krieg!“ 

Die armen Menschen. Wieder wissen Frauen und Mütter nicht, wie es ihren Männern oder Söhnen geht. Leben sie noch? Wieder werden Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten angegriffen. Aus einer angeblich hochpräzisen, militärischen Sonderoperation ist ein menschenverachtender Krieg gegen ein ganzes Volk geworden. Und es wird gelogen und manipuliert. Die Propaganda läuft auf Hochtouren. Und in eiserner Nibelungentreue steht der Patriarch in Moskau an der Seite Putins. 

Wie einst Pontius Pilatus versuchen die Schuldigen wieder einmal, ihre Hände in Unschuld zu waschen. Wie schon Kain, der seinen Bruder Abel erschlagen hatte, versuchen sie ihre Schuld zu verbergen. 

Und doch waren es der Neid, die Gier, die Eifersucht und der Egoismus, die Kain und Pilatus zu ihren Bluttaten getrieben hatten. Und es war der Teufel, der Jesus versucht hat. Er hat ihm alle Länder der Welt gezeigt und dann zu ihm sagt: „Wenn du mich anbetest, dann wird alles das dir gehören!“ Denn der Teufel benutzt die Macht, um Menschen zu verführen. 

Und da sage noch einer, die Bibel wäre ein altes und verstaubtes Buch. Immer wieder wird in der Bibel von der Macht des Bösen erzählt. Auch deshalb beten wir jeden Sonntag im Vaterunser: „Erlöse uns von dem Bösen!“ 

Am Karfreitag aber, am Kreuz hat Jesus gerufen: „Es ist vollbracht!“ Am Kreuz hat Jesus dem Teufel und allen seinen Knechten die Macht genommen. „Es ist vollbracht!“ Als der Teufel Jesus versuchte, hat Jesus dem Teufel geantwortet: „Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.“ Diese Ehrfurcht vor Gott führt uns Christinnen und Christen zum Frieden. Sie allein. 

Ihr Pfarrer

Paul Häberlein